Die neu auf dem hiesigen Zeitungsmarkt erschienene Costa Blanca Rundschau hatte in der vorletzten Ausgabe ein Interview mit dem stellvertretenden Bürgermeister von Dénia, der allen Ernstes forderte, die hier lebenden Ausländer sollten valencianisch, nicht spanisch sprechen. Schließlich müsste er in Deutschland auch deutsch sprechen und könnte nicht einfach englisch reden. Wenn der Vergleich richtig lauten soll, müsste der stellvertretende Bürgermeister weder deutsch noch englisch sprechen, sondern in Bayern bayrisch und in Ostfriesland plattdeutsch. Zwischendurch mal hessisch, saarländisch, fränkisch und in der Hauptstadt sollte er ein bisschen berlinern. Aber das verlangt niemand in Deutschland von ihm, nicht wirklich. Das Interview hat übrigens hohe Wellen geschlagen, ein großes Pressecho ausgelöst und viele Dénianer Politiker haben sich von diesem Ansinnen unverzüglich distanziert. Der stellvertretende Bürgermeister dann auch.
enriquedenia - 20. Mär, 22:56
Erhielt heute eine E-Mail von Karl-Heinz aus Siegen. Er hatte gestern von "digital-postcard" die Nachricht bekommen, dass ich seine elektronische Weihnachtskarte gelesen habe. Hey Leute, das Internet soll schnell sein!
enriquedenia - 20. Mär, 22:46
Jetzt müssten eigentlich die ersten Touristen nach Dénia kommen. Während der Fallas sind natürlich viele Spanier aus dem Hinterland hier, das zählen wir mal nicht. Aber nächste Woche ist Ostern und da sollte sich schon mal etwas bewegen. Heute Mittag sah es in der Stadt relativ ruhig aus. Natürlich sind die ersten Urlauber aus Madrid oder Valencia da, aber nicht in dem Maße wie noch vor drei, vier Jahren. Mal schauen was noch kommt.
enriquedenia - 20. Mär, 22:41
Paella ist ja das Thema Nr. 1 in der hiesigen Gastronomie. Und welcher Tag wäre für ein langes, ausgiebiges Essen besser geeignet als der Sonntag. Natürlich nur mittags, denn Paella isst man auf keinen Fall abends. Das ist eisernes Gesetz bei den Spaniern, angeblich hängt das mit der Verdaubarkeit der Ingredienzen oder des Reis' zusammen, ich weiß nicht genau. Aber wohin geht man bei diesem unüberschaubaren Angebot an Restaurants, die sich die Paella als Spezialität auf die Fahne geschrieben haben? Ich habe mal zufällig ein Restaurant entdeckt (dessen Namen ich hier natürlich nicht nennen kann), dass sich zu meinem Favoriten entwickelt hat. Es ist absolut unscheinbar, praktisch unentdeckbar, hat ein ganz einfaches altes Schild über dem Eingang und die ganze Front sieht nach gar nichts aus. Man vermutet noch nicht einmal ein Restaurant dahinter. Einem Nordeuropäer vermittelt der Innenhof auch keinen Charme, Plastikstühle und -tische mit weißen Papier-Tischtüchern sind einzige Stilelemente. Aber das Personal ist professionell und freundlich und die Paella ein Gedicht. Der Reis ist volumig und auf den Punkt gar, etwas saftig, sanft durchzogen vom typischen Paella-Geschmack. Wir hatten soviel verschiedene Fleischstücke und Mariscos auf der Paella, das ohne Probleme ein Dritter noch satt geworden wäre. (Ich gebe zu, wir haben uns den Rest einpacken lassen.) Das Restaurant ist voll mit Spaniern, ich habe nur einen Tisch mit einem englischen älteren Pärchen entdeckt. Es ist laut, es wird gelacht, debattiert, die Kinder laufen mit ihrem Eis herum - also eine richtig tolle spanische Atmosphäre. Wenn man's mag!
enriquedenia - 20. Mär, 22:36
Vorgestern kam meine Schwester aus Madrid an. Sie ist ehemalige Professorin für Malerei an der Kunstakademie. Sie liebt natürlich das Licht, das Meer und die Wärme, also fahren wir nach Las Rotas, setzen uns ans "Helios". Das liegt ziemlich nah an einer kleinen Wegeskreuzung und jedes Auto, das an diesen Teil der Küste fährt, kommt hier vorbei. Meine Schwester war ziemlich erstaunt, denn einem Mercedes SLK folgte ein BMW folgte ein Porsche Cayenne folgte ein Z4 folgte eine S-Klasse und so weiter. Die Seats sind uns nicht soooo aufgefallen. "Was ist denn hier im Dorf los?" fragte die Madrilenin ungläubig. Ein Dorf wird zum Hotspot. Deshalb brauchen wir auch unbedingt weitere Apartmentblöcke; so mit dreizehntausend Einheiten könnten wir vielleicht erstmal klar kommen.
enriquedenia - 20. Mär, 22:17
Gestern Abend war die große Falla-Verbrennung in der Stadt. Diesmal bin ich nicht hingegangen, hatte genug Falla die ganze Woche. Außerdem muss man immer so lange warten, bis en denn endlich los geht. Habe heute aber erfahren, dass die Falla an der Glorieta gewonnen haben soll und ganz pünktlich um Mitternacht angezündet worden ist, weil erstmalig der valencianische Fernsehsender "Canal 9" eine Falla-Verbrennung live aus Dénia ausgestrahlt hat.
enriquedenia - 20. Mär, 22:07
Am Freitag habe ich für einen Freund aus Österreich zwei Schlüssel seines Hauses nachmachen lassen. In der Innenstadt von Dénia gibt es einen kleinen Laden, der für einen Euro fast jeden Schlüssel kopiert. Man muss noch nicht mal die Schlüssel vom Bund friemeln, den kann man komplett abgeben. Vor mir stand ein englisches Ehepaar. Sie hatten einen Haufen Schlüssel auf der Theke liegen, wollten von jedem eine Kopie anfertigen lassen. Die beiden waren ganz begeistert. "Bei uns in England kostet eine Schlüsselkopie fünf Pfund und hier nur einen Euro! Da haben wir alle Schlüssel mitgebracht, die wir haben!"
enriquedenia - 20. Mär, 22:02
Hatte für heute Mittag ein Treffen mit dem Gärtner Stephan Luckmann verabredet. In der Markthalle. Haben beide nicht daran gedacht, dass ja heute Feiertag ist und der Höhepunkt der Fallas. Das heißt, das sich ein langer Umzug aller Fallagruppen durch die Stadt zieht. Die Hauptstraße Marqués de Campo ist komplett gesperrt. An beiden Straßenrändern hat das Rathaus hunderte von weißen Plastikstühlen Armlehne an Armlehne aufstellen lassen, die ganze Marqués de Campo entlang. Man kann die Straße also gar nicht überqueren. Das ist aber schlecht, denn Stephan steht auf der Seite des "Bavaria" und ich auf der anderen Straßenseite.
In den Stühlen sitzen die Dénianer und schauen sich den Umzug und Vorbeimarsch der Mitglieder der einzelnen Falla-Organisationen an. Einige Residenten und Touristen sitzen auch in der ersten Reihe, aber die meisten stehen doch lieber hinter den Stühlen. In Dreier- und Fünferreihen versperren die Schaulustigen den gesamten Gehweg, vorwärts kommen ist nur mit viel Geduld möglich. Überall werden kleine Kompakt- und Digital-Kameras hochgehalten und die kunstvoll gekleideten und geschmückten Mädchen und Frauen fotografiert, die in ihrer Falla-Gruppe die Marqués de Campo entlang schreiten. Die Kostüme sind aus teuren Seiden- und Brokatstoffen, mit weit ausschweifenden, bis fast auf den Boden reichenden Röcken. Alle haben ihre Haare einheitlich - was soll ich sagen, zusammengelegt? - und mit goldenen Schmuckstücken versehen. Jede Falla-Gruppe hat ihre eigene Musikgruppe, aber der Rhythmus ist allen gleich, eben fallatypisch. Allerdings, vorneweg marschieren die männlichen Mitglieder der jeweiligen Fallagruppe, einheitlich in grauen, längs gestreiften Hosen und mit schwarzen, weit über die Hose reichenden Hemden bekleidet. Einige tragen mit sichtlichem Stolz ihre Babys und Kleinkinder auf dem Arm, natürlich auch in komplette Falla-Montur gekleidet. Ich weiß nicht wo der Umzug genau endet, aber irgendwann läuft die letzte Fallagruppe an mir vorbei und die Menschenmenge teilt sich auf, um sich auf die Standplätze der einzelnen Fallafiguren in den verschiedenen Straßen zu verteilen, denn um 14 Uhr findet an jeder Falla ein Böllerkonzert statt.
Im "Bavaria" , in dem sich die Menschen drängen, treffe ich dann Stephan und wir unterhalten uns mit Juan, dem Chef. Der freut sich natürlich, denn so ein Tag füllt die Kassen der Gastronomie. Inzwischen sind ja auch etliche Touristen aus Madrid, Valencia und dem Inland eingetroffen, denn nächste Woche ist Ostern und damit einher geht jedes Jahr der erste Touristenansturm auf Dénia.
enriquedenia - 19. Mär, 18:36